Hitzschlag bei Hunden – die Gefahr lauert nicht nur im Auto

Hitzschlag bei Hunden – die Gefahr lauert nicht nur im Auto

Überanstrengung, Rasse und Gesundheit bergen auch ein hohes Risiko

Mit den ersten warmen Frühlingstagen steigt für unsere Hunde auch wieder das Risiko der Überhitzung und des Hitzschlags.

Von einem Hitzschlag spricht man, wenn der Hund nicht mehr in der Lage ist, seine Körpertemperatur selber zu regulieren, so dass diese auf 41°C oder noch höher ansteigt (Anmerkung: Die normale Körpertemperatur liegt bei Hunden in der Regel zwischen 38°C und 39°C). 

Durch diese Hyperthermie kommt es im Körper zu fortschreitenden Entzündungsreaktionen, Multiorganversagen mit neurologischen Schäden und schlimmstenfalls zum Tod. Je länger die Hyperthermie andauert, desto schlechter sind die Überlebenschancen des Hundes – die Todesrate bei Patienten mit Hitzschlag beträgt ca. 50%!


Bekannte und weniger bekannte Risikofaktoren

Der „klassische“ Hitzschlag wird durch eine hohe Umgebungstemperatur (z.B. im Auto) ausgelöst, die es dem Hund unmöglich macht, durch Hecheln überschüssige Wärme abzugeben.

Häufiger kommt es jedoch zum „anstrengungsinduzierten“ Hitzschlag durch intensive körperliche Belastung vor allem bei hohen Außentemperaturen. Aber auch bei milden Temperaturen kann es bei langanhaltender übermäßiger Anstrengung zur Überhitzung kommen, so dass der Hitzschlag nicht nur in den Sommermonaten als Notfall auftreten kann.

Riskant sind auch die ersten warmen Frühlingstage, denn hier hatten die Hunde nach dem Winter noch keine Gelegenheit, sich an die höheren Temperaturen zu gewöhnen.

Daneben schränken hohe Außentemperaturen mit hoher Luftfeuchte die Thermoregulation ein.

Daher sollte vor allem nachmittags in den Sommermonaten wenn möglich auf Anstrengung verzichtet werden.

ACHTUNG: Große Asphaltflächen sind besonders heiß, so dass hier bei der Arbeit oder dem Warten im Auto besondere Vorsicht geboten ist. Außerdem besteht auf dem aufgeheizten Untergrund Verbrennungsgefahr für die Pfoten.


Warum manche Hunde Wärme schlechter tolerieren

  • Müdigkeit – wenn ein Tier über längere Zeit oder an aufeinanderfolgenden Tagen arbeitet bewegt es sich nicht mehr so effizient und muss sich mehr anstrengen, um dieselbe Aufgabe zu erfüllen. Damit steigt das Risiko für eine Überhitzung.
  • Übergewicht und/oder hohes Alter
  • Stress und Angst
  • Gesundheitliche Probleme (Herzinsuffizienz, Epilepsie, Kehlkopflähmung etc.)
  • Brachyzephale (kurzköpfige) Hunderassen (Mops, Bulldogge usw.) haben durch die verkürzten Nasen und den verengten Rachenraum eine deutlich reduzierte Wärmeabgabefähigkeit. Sie haben bereits ab ca. 15°C – 20°C Beeinträchtigungen und ab 25°C kann es lebensgefährlich werden – besondere Schonung ist daher unabdingbar.
  • Ob dunkles Fell das Risiko einer Hyperthermie erhöht, wird in Fachkreisen unterschiedlich diskutiert.

Die Rasse machts

Neben diesen Risikofaktoren gibt es aber auch einige Rassen mit einer erhöhten Prädisposition für einen Hitzschlag. Bei Labrador Retriever, Chesapeake Bay Retriever, Curly Coated Retriever, Deutsch Drahthaar, Labradoodle und manchen Spaniel Rassen kann es zum „Exercise induced collapse“ (EIC) kommen, einer neuromuskulären Erkrankung.

Betroffene Hunde bekommen schon nach 5-15 Minuten Anstrengung (Training, Stress) eine Muskelschwäche mit wackeligem Gang, Kontrollverlust der Hinterhand und brechen zusammen; die Körpertemperatur steigt dabei auf über 41°C an. Die Kollaps-Episoden dauern meist 5-10 Minuten, nach 30 Minuten haben sich die Hunde in der Regel erholt, schlimmstenfalls kann es aber auch tödlich verlaufen.

Die Erkrankung beruht auf einem erblichen Gendefekt, bei der Firma Laboklin kann ein Gentest zeigen, ob der Hund die DNM1-Gen-Mutation trägt. Border Collies und andere Collie-Rassen haben ein vergleichbares Krankheitsbild (Border Collie Collapse BCC). Das hat aber eine andere genetische Ursache, für die noch kein Gentest vorhanden ist.


Überhitzung durch Gift

Wenn der Hund Metaldehyd (Schneckengift) aufgenommen hat, kommt es ebenfalls zur meist tödlich verlaufenden Hyperthermie.


Vielfältige Symptome

Anzeichen einer Überhitzung im fortschreitenden Verlauf

  • Leistungsabfall

    Bei Arbeitshunden, die normalerweise gehorsam sind, sollten folgende Anzeichen von Hitzestress berücksichtigt werden:

    • Unkontrolliertes Hecheln, das Ablenkung (Ball, Spielzeug, Futter) nicht stoppen kann.Schatten suchen oder Ablegen ohne Kommando.
    • Langsameres Arbeiten oder vermeintlich mangelnder Gehorsam (z.B. Fallenlassen von Apportel oder Wild – Hunde können mit einem Gegenstand im Fang nicht hecheln).
  • Erhöhte Herzfrequenz mit über 160 Schläge pro Minute (Normwert 60-140 Schläge pro Minute), teils unregelmäßiger oder schwacher Puls.
  • Starkes Hecheln und schnelle Atmung.
  • Starkes Speicheln aber auch trockene Schleimhäute. Diese können dunkelrot sein und die kapilläre Füllungszeit ist verlängert (> 2 Sekunden). Im weiteren Verlauf können im Schock die Schleimhäute weiß werden.
  • Erhöhte Körpertemperatur (> 41°C).

    Achtung: Die Körpertemperatur kann auch erst einige Zeit nach der Arbeit auf gesundheitsschädigende Werte ansteigen. Daher sollte der Hund und die Körpertemperatur auch in der Erholungsphase immer wieder kontrolliert werden.
    (Quelle: https://www.mdpi.com/2076-2615/10/4/673 )

Anmerkung: Eine Studie aus den USA hat ergeben, dass trainierte Arbeitshunde bei moderater Aktivität auch ohne Symptome eines Hitzeschocks höhere Körpertemperaturen (40°C – 42°C) haben können. Regelmäßige Temperaturmessung hilft bei der Bestimmung der individuellen „Betriebstemperatur“ des Arbeitshundes.
(Quelle:  https://usarvetgroup.org/wp-content/uploads/2024/11/Hyperthermia-and-Heatstroke-in-the-K9-L-Gordon-1.pdf )

  • Im fortschreitenden Verlauf Erbrechen oder Durchfall (teils blutig).
  • Neurologische Symptome (Taumeln, Desorientierung, Krampfanfälle, Koma)
  • Seitenlage, Schock
  • Tod

In der Tierarztpraxis

Das Blutbild zeigt oft einen Mangel an Blutplättchen und eine Gerinnungsstörung, sowie eine Hypoglykämie (Unterzucker), dazu kommen je nach Dauer der Schädigung erhöhte Leber- und Nierenwerte.


Weiterer Verlauf

3-5 Tage nach scheinbarer Genesung kann es zu einem Organversagen kommen. Erste Anzeichen von Nierenversagen können fehlender Harnabsatz und Erbrechen sein. Leberversagen zeigt sich u.a. durch gelbe Schleimhäute (Ikterus).

Weitere Komplikationen können Herzarrhythmien, das Akute Atemnotsyndrom (ARDS „Schocklunge“) und die Disseminierte Intravaskuläre Gerinnungsstörung (DIC) sein, die Prognose ist bei diesen Patienten leider nicht gut.


Therapie

Zeigt der Hund einige der oben genannten Symptome muss schnell gehandelt werden:

  1. Hund wenn möglich in einen kühleren Bereich bringen.
  2. Aktiv Kühlen mit kaltem (nicht eiskalten) Wasser, dabei das Fell bis auf die Haut durchnässen. Zusätzlich Verdunstungskälte durch kühlenden Luftstrom mit Ventilator, Klimaanlage oder offenem Fenster bei der Fahrt zum Tierarzt – je schneller mit der Kühlung begonnen wird, desto besser sind die Überlebenschancen.

    Kühlakkus können an Hals-, Achsel- und Leistenbereich platziert werden.

    Kühlen bis die Körpertemperatur unter 39,5°C sinkt bzw. bis der Hund zittert.
  3. Wasser anbieten, aber nicht aktiv eingeben.
  4. Bei Bewusstlosigkeit: Seitenlage, für freie Atemwege Kopf und Hals strecken.
    Bei Atem-/Herzstillstand: Mund-zu-Nase-Beatmung, Herzdruckmassage
  5. Unverzüglich zum Tierarzt fahren!
    Dabei wenn möglich alle 5 Minuten die Vitalparameter (Puls, Atmung, Kreislauf, Temperatur) überprüfen.

Hunde mit Hitzschlag sind Intensivpatienten!

Die stationäre Aufnahme wird wegen der verzögert eintretenden Komplikationen (Gerinnungsstörung, Multiorganversagen, Sepsis) empfohlen.

Die Therapie erfolgt symptomatisch (Sauerstoffgabe, Infusionen, Magenschutz, Antibiotika).

Je nach Dauer bis zum Beginn der Behandlung und Verlauf ist mit einer Sterblichkeitsrate von 50% zu rechnen.


Prävention

Hitzefalle Auto

Selbst bei moderaten 20°C Außentemperatur kann sich ein Auto in der Sonne innerhalb einer Stunde auf fast 50°C Innentemperatur aufheizen.

Ist ein Aufenthalt im Auto unvermeidlich, muss darauf geachtet werden, dass das Auto im Schatten steht (Wanderung der Sonnenstrahlung beachten) und die Fenster weit genug geöffnet sind, ein kleiner Spalt bringt nur wenig.

In der Hundebox können Matten mit kühlender Gelfüllung verwendet werden. Ein Ventilator an der Box kann durch den Luftstrom für zusätzliche Kühlung sorgen.

Achtung auch bei längeren Fahrten oder im Stau: Je nach Größe des Autos und Verteilung der Luftdüsen kann es sein, dass die kalte Luft aus der Klimaanlage nicht hinten beim Hund ankommt. Scheint dann noch die Sonne durchs Heckfenster, kann es auch unter diesen Umständen für den Hund unangenehm werden.

Ein Thermometer an/in der Hundebox zeigt die aktuelle Umgebungstemperatur des Hundes an.


Silberner Schattenspender

Es gibt mittlerweile spezielle UV-Schattennetze aus Alugewebe, das einen Großteil der Sonnenstrahlen reflektiert und das Aufheizen des Autos verringern soll. Aus dem gleichen Gewebe gibt es auch Mäntel für Hunde.


Frühmorgens oder Abends

Sofern möglich, Arbeiten und Spaziergänge auf die kühleren Tageszeiten verlegen.

Sind Einsätze bei > 30°C unvermeidlich, sollte die Einsatzzeit max. 15 Minuten betragen und dann eine Pause gemacht werden.

Die Hunde brauchen genügend Wasser und können ggf. vor dem Einsatz nass gemacht werden. Zwischen den Einsätzen sind ausreichende Ruhezeiten und die regelmäßige Kontrolle der Körpertemperatur wichtig.


Wasserbedarf

Bei Rettungshunden, die in heißen Gegenden (z.B. beim Erdbeben in Haiti) im Einsatz waren, war die Dehydrierung das häufigste Gesundheitsproblem. Dehydrierung ist allerdings nicht leicht zu erkennen. Eine Methode besteht darin, die Schleimhäute des Hundes auf die Farbe und die Feuchtigkeit zu überprüfen. Normale Schleimhäute sind feucht glänzend, trockene oder klebrige Schleimhäute deuten auf eine Dehydrierung hin.

Das richtige Wassermanagement kann das Risiko von Hitzestress und Hitzschlag verringern.

Der normale Wasserbedarf des Hundes beträgt ca. 50 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Je nach Futterart (trocken vs. nass), Temperatur und Aktivität können es aber bis zu 150 ml/kg/KGW/Tag sein (Quelle: https://www.futter-rechner.de/wasserbedarf-hund/).

Allerdings kann die Aufnahme von genügend Wasser in anspruchsvollen Situationen eine Herausforderung darstellen. Durch etwas Geschmack (Elektrolyte, Brühe o.ä.) kann die Wasseraufnahme verbessert werden. Welcher Zusatz dem Hund am besten schmeckt, sollte aber zuerst zuhause getestet werden.


„Köpfchen in das Wasser“

In Amerika wurden Hunde darauf trainiert, ihren Kopf freiwillig in einen Eimer mit Wasser zu tauchen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei dieser Methode neben der Wasseraufnahme und der großzügigen Befeuchtung von Maul und Nase auch die Körpertemperatur schnell sinkt und ein Temperaturanstieg nach dem Training verhindert wird.

Voraussetzung ist aber, dass der Hund den Kopf freiwillig ins Wasser taucht und nicht heruntergedrückt wird.

Ein Video der Methode ist verfügbar unter: https://avmajournals.avma.org/view/journals/javma/aop/javma.24.07.0480/javma.24.07 .0480.xml


Fazit

Warme Temperaturen sind für unsere Hunde nicht ungefährlich und wenn möglich sollte man die kühleren Tageszeiten für Aktivitäten nutzen. Sind Einsätze aber unvermeidlich (z.B. Nachsuchen, Vermisstensuche) kann mit den entsprechenden Maßnahmen das Risiko für eine Überhitzung verringert werden.

Unerlässlich sind genügend Wasser, Schatten, Kühlung und Ruhepausen.

Ist man unsicher, ob der Hund vielleicht doch unter der Hitze gelitten hat, sollte man lieber einmal öfter zum Tierarzt gehen.


Quellen

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