ASP-Kadaversuchhunde: Ausbildung und Training

ASP-Kadaversuchhunde: Ausbildung und Training

Warum braucht man Kadaversuchhunde?

Bei einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest ist die Suche nach verendeten Wildschweinen durch die hohe Virenlast in den Kadavern wichtiger Bestandteil der Tierseuchenbekämpfung. Um die Seuchenverbreitung einzuschränken, müssen die Kadaver gefunden und beseitigt werden. Dabei haben sich speziell ausgebildete Mensch-Hund- und Drohnenteams bewährt. Das TCRH bildet Kadaver-Suchteams sowohl in der biologischen als auch technischen Ortung aus.

Herausfordernd ist die Planung, Koordination und Dokumentation der Einsatzressourcen für die erforderliche Flächen- und Dauerleistung in der spezifischen sowie regelmäßigen Fallwildsuche. 

Das TCRH Training Center Retten und Helfen wurde 2021 vom Ministerium Ländlicher Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg mit der Ausbildung und Bereitstellung der Kadaversuchteams beauftragt. Fachliche Träger sind der Jagdgebrauchshundverband e.V. und der BRH Bundesverband Rettungshunde e.V.

Inzwischen wurden über 300 Mensch-Hund-Teams, 70 Drohnenteams und viele weitere Einsatzkräfte zur Kadaversuche ausgebildet. Auch wird mit einer Einsatzabschnittsleitung (EAL) eine Fachberatungs- und Führungsorganisation mit entsprechenden Einsatzmitteln bereitgestellt.

In dieser Veröffentlichung liegt der Fokus auf der Ausbildung der Hunde.


Fachkundige Ausbilder

Die Ausbilder kommen sowohl aus der Rettungshundearbeit als auch aus dem Jagdgebrauchshundewesen. Sie zeichnen sich durch jahrelange Erfahrung im praktischen Führen ihrer eigenen Hunde auf der Jagd oder bei der Personensuche aus, außerdem sind sie als Ausbilder in Rettungshundestaffeln oder Jagdhundekursen aktiv.

Teilweise arbeiten sie auch beruflich mit Hunden. So ist z.B. der Ausbildungsleiter Kai Uwe Gries Diensthundeausbilder bei der Bundespolizei, mit Schwerpunkt Geruchsdifferenzierung (Sprengstoff). Elena Brill ist Tiermedizinische Fachangestellte und geprüfte Tierphysiotherapeutin und Tierakupunkteurin und zertifizierte Sporthundetherapeutin.


Motivierte Teilnehmer und ihre Hunde

Die Teilnehmer kommen größtenteils ebenfalls aus den Reihen der Rettungshundeführer und der Jäger- bzw. Forstwirtschaft, sowie aus dem Breitensport. Nach der Bewerbung beim TCRH werden sie mit ihrem Hund zu einer Sichtungsveranstaltung ins TCRH Gelände nach Mosbach eingeladen.

Dort wird von den Ausbildern an verschiedenen Stationen angeschaut, wie Mensch und Hund als Team zusammenarbeiten, ob der Hund prinzipiell Interesse an der Geruchsreihe hat, wie der Gesundheitszustand und der Gehorsam ist und ob der Hund motivierbar ist. Beim Hundeführer achtet man auf seine Fitness und „Geländetauglichkeit“, denn Kadaversuche ist körperlich sehr anstrengend.

Außerdem spricht man mit dem Hundeführer über seine Vorkenntnisse zum Thema Afrikanische Schweinepest und Einsatzabläufen sowie über seine Vorstellungen zu späteren Sucheinsätzen.

Wenn die Voraussetzungen stimmen, bekommt das Team die Zusage für eine Kursteilnahme.

Bei den ausgebildeten Hunderassen liegen die Vertreter der FCI Gruppe 7 – Vorstehhunde vorne.

Zu dieser Gruppe werden Rassen wie der Deutsch Drahthaar, Deutsch Kurzhaar, Weimeraner, kleiner Münsterländer, Magyar Vizsla und viele mehr gezählt.

Vorstehhunde zeichnen sich durch sogenanntes Vorstehen aus. Es sind Jagdhunde, die bei dem Geruch von Wildwitterung vorstehen, sprich sie verharren regungslos und zeigen dadurch dem Jäger die Richtung an, in der sich das Wild befindet. Es sind vielseitige, intelligente, arbeitsfreudige und ausdauernde Hunde mit einer feinen Nase, die eng mit ihrem Menschen zusammenarbeiten. Dadurch eignen sie sich hervorragend als Partner für die Jagd, aber auch in der Rettungshundearbeit erfreuen sie sich großer Beliebtheit.

Ihre Eigenschaften machen sie aber auch zum perfekten Teampartner bei der Kadaversuche und somit ist es nicht verwunderlich, dass wir so viele Vertreter der Vorstehhunde ausbilden durften.

Es eignen sich aber nicht nur Jagdgebrauchshunde für die Ausbildung zum Kadaversuchhund – die zweitgrößte Gruppe der im TCRH ausgebildeten Teams ist die FCI Gruppe 1 – Hüte und Treibhunde.


Arten der Ausbildungskurse

Im TCRH werden sowohl Wochenend- als auch Wochenkurse angeboten. Die Wochenendkurse bestehen aus drei Wochenenden, mit ein bis mehreren Wochen Abstand dazwischen. In dieser Zeit können die Teilnehmer zuhause mit ihren Hunden das bisher Gelernte üben. Diese Kursart eignet sich besonders für jüngere Hunde, die etwas Zeit brauchen, um den neuen Input zu verarbeiten und in vertrauter Umgebung zu üben.

Der Wochenkurs dauert von Montag bis Sonntag, in dieser Zeit wohnen die Teilnehmer in der Regel auf dem TCRH Gelände und haben täglich von morgens bis abends praktischen bzw. theoretischen Unterricht. Dieser Kurs eignet sich für Hunde, die bereits Erfahrungen in der jagdlichen bzw. Rettungshundearbeit haben und sich schnell auf neue Situationen und Aufgaben einstellen können.  

Beide Kursarten schließen mit der sog. „Grünen Prüfung“ ab. Sie ist die erste von drei Prüfungsstufen, die ein Kadaversuchhund im Rahmen seiner Ausbildung absolvieren kann.


Prüfungsinhalte

Die Prüfung für ASP-Kadaversuchhundeteams dient dazu festzustellen, ob ein Hund und sein Hundeführer zuverlässig Kadaver von Wildschweinen finden können, um bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest zu helfen. Diese Teams werden zur Suche nach verendeten Wildschweinen in betroffenen oder gefährdeten Gebieten eingesetzt.

Der Hundeführer muss grundlegendes Wissen zur ASP-Bekämpfung nachweisen.

Typische Themen sind dabei:

  • Krankheitsbild und Übertragung der Afrikanischen Schweinepest
  • Bedeutung von Kadaversuche für die Seuchenbekämpfung
  • Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen
  • Verhalten im Seuchengebiet
  • Einsatzorganisation und Dokumentation
  • Arbeitssicherheit im Gelände

Bei der praktischen Suchprüfung im Wald oder Feld werden mehrere Kadaverstücke (z. B. Knochen, Haut, Fleisch) versteckt, die das Suchteam in einer vorgegebenen Zeit finden muss. Je nach Prüfungsstufe (grün – gelb – rot) erhöht sich die Anzahl der zu findenden Kadaverteile und die Suchfläche (1 – 3 ha).

Bewertet werden dabei die selbstständige Suche, Nasenarbeit, Suchsystematik und -intensität und die Zusammenarbeit zwischen Hund und Hundeführer.

Beim Fund muss der Hund eine klare und eindeutige Anzeige zeigen, z. B.:

  • Verbellen
  • Hinlegen
  • Fixieren der Fundstelle
  • Rückverweisen zum Hundeführer

Um die Biosicherheit zu gewährleisten darf der Hund den Kadaver nicht berühren, ihn fressen oder daran zerren.

Dabei achten die Richter auf die Zuverlässigkeit der Anzeige und die Einhaltung der Hygieneregeln.

Fehlanzeigen oder übersehene Kadaver können zum Nichtbestehen der Prüfung führen.

Nach bestandener Prüfung gilt das Team als einsatzfähig zur Kadaversuche im Rahmen der ASP-Bekämpfung. Die Prüfung ist ein Jahr gültig und muss danach erneut abgelegt werden.

Link zur Prüfungsordnung


Ausbildungsphilosophie

Mit Lob zum Ziel

Bei der Kadaversuchausbildung wird ausschließlich mit positiver Bestätigung gearbeitet.

Die Ausbildung funktioniert nicht mit dem Leitsatz „weil ich das sage“, sondern eher mit „überzeuge mich und was ist meine Belohnung?“

Hier liegt der Schlüssel einer sehr guten Ausbildung, denn Motivation schlägt Druck.

Die Grundlage der Bestätigung ist das Timing, die Kontingenz (direkte Verknüpfung mit dem Verhalten) und die Wertigkeit der Bestätigung. Man unterscheidet bei den Bestätigungen in primäre und sekundäre Bestätigungen. Primäre Bestätigungen sind biologisch relevante Belohnungen: Futter, Spielzeug oder Körperlob und Freude oder eine Kombination aus mehreren Motivatoren.

Bei den sekundären Bestätigungen sprechen wir über eine Ankündigung der primären Bestätigung. Diese können zum Beispiel ein Clicker, ein bestimmtes Lob oder ein Markerwort sein. 

Wenn die richtige Belohnung gefunden ist dient diese nicht als Bestechung, sondern gilt als eine Bezahlung direkt nach dem erwünschten Verhalten. Ein Leckerchen ohne positive Emotionen und Anerkennung der geleisteten Arbeit des Hundes ist nicht zielführend.

In der Sucharbeit entscheidet das richtige Bestätigungsmodell über die Intensität der Suche und die Motivation des Hundes.

Der Hund arbeitet in der Suche meist auf Distanz, so dass eine primäre Bestätigung am Hund meist nicht unmittelbar möglich ist. So behelfen wir uns zunächst der sekundären Bestätigung, um das erwünschte Verhalten zu belohnen.

Die Auswahl des richtigen Bestätigungsmodells ist hier entscheidend. Für einen Hund mit einem ausgeprägten Spiel- und Beutetrieb wird ein Leckerchen nicht die passende Belohnung sein und doch kann man in der Arbeit mit dem Hund die Belohnungen miteinander verbinden.

Hierzu ein Beispiel: in der Differenzierungsreihe kann zunächst ein Stück Käse am Glas das richtige Verhalten belohnen. Nachdem der Hund das richtige Verhalten erneut zeigt, wird der Jackpot (Beißwurst, Ball, etc.) ausgespielt, so dass das Mensch-Hund-Team als Weltmeister aus der Arbeit gehen kann.

Zwei- und Vierbeiner arbeiten als Team zusammen. Der Zweibeiner bestimmt die Lage und der Vierbeiner arbeitet sie ab. Findet der Vierbeiner den Schweinekadaver so ist das Team für diesen Moment Weltmeister.

Würdigt man die Arbeit des Hundes und zeigt es ihm aus tiefsten Herzen, so wird die Motivation der Sucharbeit steigen. Die Hunde sollen immer das Gefühl haben, dass sich die Arbeit mit uns Menschen lohnt und wenn es dann noch eine Spieleinheit oder ein Leckerchen gibt, ist es perfekt.


Clickern – Präzise Kommunikation durch positives Training

Clickertraining ist eine belohnungsbasierte Trainingsmethode, bei der ein akustisches Signal eingesetzt wird, um dem Hund präzise mitzuteilen, welches Verhalten erwünscht ist. Dieses Signal ist der sogenannte „Click“. Der Click selbst stellt dabei nicht die Belohnung dar, sondern kündigt sie lediglich an. Er fungiert als klares Versprechen an den Hund: „Das gezeigte Verhalten war richtig und wird im nächsten Moment belohnt.“

Ein wesentlicher Vorteil des Clickertrainings liegt im exakten Timing. Der Click erfolgt genau in dem Moment, in dem der Hund das gewünschte Verhalten zeigt. Dadurch kann der Hund eindeutig erkennen, wofür er belohnt wird. Im Vergleich dazu ist die menschliche Stimme häufig emotional gefärbt oder zeitlich weniger präzise. Der Clicker hingegen erzeugt stets ein neutrales, gleichbleibendes Geräusch und ermöglicht somit eine klare und zuverlässige Kommunikation zwischen Mensch und Hund.


Auf das Timing kommt es an

Bevor der Clicker im eigentlichen Training eingesetzt wird, muss der Hund zunächst lernen, was das Geräusch bedeutet. Dieser Prozess wird als „Anclickern“ bezeichnet. Dabei wird der Clicker betätigt und unmittelbar danach erhält der Hund eine Belohnung, ohne dass er zuvor eine Aufgabe erfüllen muss. Durch mehrere Wiederholungen dieser Abfolge verknüpft der Hund das Clickgeräusch mit einer positiven Konsequenz. Erst wenn diese Verbindung gefestigt ist, wird der Clicker gezielt eingesetzt, um gewünschte Verhaltensweisen zu markieren.

Das Timing spielt beim Clickertraining eine entscheidende Rolle. Der Click sollte möglichst exakt im Moment des gewünschten Verhaltens erfolgen, idealerweise innerhalb von ein bis zwei Sekunden. Nur so kann der Hund klar nachvollziehen, welches Verhalten gemeint ist. Wichtig ist zudem, dass auf jeden Click eine Belohnung folgt – selbst dann, wenn versehentlich geklickt wurde. Die Verlässlichkeit dieser Abfolge ist entscheidend, damit der Hund dem Signal dauerhaft vertraut.


Vielseitige Einsatzmöglichkeiten

Der Clicker kann in vielen unterschiedlichen Trainingsbereichen eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem der Aufbau von Grundgehorsam, das Erlernen von Tricks, präzise Trainingsaufgaben sowie die Förderung erwünschter Verhaltensweisen. Auch bei der Geruchsdifferenzierung für die Kadaversuche werden die Hunde durch die Ausbilder für die richtige Reaktion belohnt.

Bei späteren Ausbildungsschritten eignet sich der Clicker auch für Trainingssituationen auf Distanz, da das akustische Signal klar und eindeutig wahrnehmbar ist.

Für ein erfolgreiches Training sollten einige grundlegende Regeln beachtet werden. Zunächst ist es wichtig, das Trainingsziel klar zu definieren und gegebenenfalls in kleine, erreichbare Zwischenschritte zu unterteilen. Ebenso sollte darauf geachtet werden, dass die Aufgaben für den Hund lösbar bleiben, damit Motivation und Freude am Training erhalten bleiben. Zudem empfiehlt es sich, jede Trainingseinheit positiv abzuschließen, um die Motivation für zukünftige Übungen zu stärken. Grundsätzlich lebt das Clickertraining von Klarheit, Konsequenz und positiver Verstärkung.

Die Methode eignet sich grundsätzlich für jeden Hund, unabhängig von Alter oder Rasse. Besonders sensible Hunde profitieren von der ruhigen und klaren Kommunikation, da das Training ohne Druck oder Strafe auskommt. Gleichzeitig reagieren auch sehr aktive und arbeitsfreudige Hunde häufig positiv auf die präzise Rückmeldung, da sie schnell verstehen, welches Verhalten erwünscht ist und entsprechend motiviert arbeiten können.


Geruchsdifferenzierung Schwarzwildkadaver – präzise Nasenarbeit durch gezieltes Training

Die Geruchsdifferenzierung ist eine besondere Form der Nasenarbeit, bei der der Hund lernt, einen bestimmten Zielgeruch aus mehreren unterschiedlichen Gerüchen herauszufiltern und diesen zuverlässig anzuzeigen.

Diese Fähigkeit basiert auf dem außergewöhnlich leistungsfähigen Geruchssinn des Hundes. Während der Mensch lediglich etwa fünf Millionen Riechzellen besitzt, verfügen Hunde über etwa 220 bis 300 Millionen.

Zudem ist das Riechzentrum im Gehirn des Hundes deutlich stärker ausgeprägt. Dadurch sind Hunde in der Lage, Gerüche zu speichern, voneinander zu unterscheiden und selbst feinste Duftnuancen wahrzunehmen.

Das Ziel der Geruchsdifferenzierung besteht darin, dass der Hund einen zuvor konditionierten Individualgeruch (in unserem Fall der Geruch von totem Schwarzwild in verschiedenen Verwesungsstadien) eindeutig erkennt und diesen klar anzeigt. Die Anzeige kann beispielsweise durch Bellen, Sitzen, Platzmachen oder Verharren vor dem entsprechenden Geruchsträger erfolgen.

Entscheidend ist, dass der Hund den Zielgeruch zuverlässig identifiziert und sein Verhalten eindeutig interpretierbar ist.


Konditionierung auf den Kadavergeruch

Im Training spielen vor allem zwei grundlegende Lernprinzipien eine Rolle: die klassische und die operante Konditionierung. Bei der klassischen Konditionierung wird der Zielgeruch mit einer Belohnung verknüpft. Der Hund lernt dadurch, dass sich dieser bestimmte Geruch lohnt und mit einer positiven Erfahrung verbunden ist.

Die operante Konditionierung setzt anschließend beim Verhalten des Hundes an. Zeigt der Hund den richtigen Geruch korrekt an, wird dieses Verhalten durch eine positive Verstärkung – meist in Form von Futter oder Spiel – bestätigt.

Der Trainingsaufbau erfolgt schrittweise. In der ersten Phase wird dem Hund ausschließlich der Zielgeruch präsentiert, in unserem Fall in einer sogenannten Differenzierungsreihe. In einem 2 Meter langem Kasten sind 10 Gläser mit Löchern im Deckel eingebracht, wobei in nur einem Glas ein Stück Schwarzwildkadaver ist. Sobald der Hund daran schnuppert, wird er unmittelbar belohnt. Parallel dazu wird ein klares Anzeigeverhalten aufgebaut, damit der Hund später eindeutig mitteilen kann, wenn er den gesuchten Geruch gefunden hat. In dieser Ausbildungsphase wird sehr viel Wert auf Motivation gekoppelt mit Präzession und Empathie gelegt.

Es werden pro Tag bis zu 250 Durchgänge an den Differenzierungsreihen gemacht.


Nach der Eingabe folgt die Differenzierung

Die Geruchseingabe bildet die Grundlage für reproduzierbare, kontrollierte Suchvorgänge.

In der zweiten Trainingsphase beginnt die eigentliche Differenzierungsarbeit. Nun wird der Zielgeruch einem neutralen Geruch gegenübergestellt, etwa indem ein Gegenstand mit dem Zielgeruch und ein neutraler Gegenstand präsentiert werden. Zeigt der Hund den richtigen Geruch an, erhält er eine Belohnung. Macht er einen Fehler, erfolgt keine Strafe. Stattdessen wird die Übung ruhig wiederholt, sodass der Hund weiterhin motiviert bleibt und aus der Situation lernen kann.

Mit zunehmendem Trainingsfortschritt wird der Schwierigkeitsgrad schrittweise erhöht. Dazu wird die Anzahl der Ablenkungsgerüche gesteigert, unterschiedliche Materialien werden verwendet und auch die Umgebung kann variieren. Auf diese Weise lernt der Hund, den Zielgeruch auch unter anspruchsvolleren Bedingungen zuverlässig zu erkennen.

Wichtig dabei ist auch, dass unterschiedliche Verwesungsstadien bis hin zu reinen Knochen geübt werden.


Mit Protokoll und genauer Beobachtung zum Ziel

Ein wichtiger Bestandteil des Trainings ist das Führen eines Trainingsprotokolls. Darin werden Trainingseinheiten, Schwierigkeitsgrade und Ergebnisse festgehalten. Beispielsweise kann dokumentiert werden, dass eine 1:1-Differenzierung sicher funktioniert, während bei einer 1:3-Differenzierung noch leichte Unsicherheiten auftreten. Solche Aufzeichnungen helfen dabei, Fortschritte sichtbar zu machen und das Training gezielt anzupassen.

Während der Trainingseinheiten achten Ausbilder besonders auf verschiedene Beobachtungsaspekte. Dazu gehören die Konzentrationsdauer des Hundes, seine Körpersprache in Momenten der Unsicherheit, die Wirkung der eingesetzten Belohnung sowie mögliche Einflüsse durch Ablenkungen in der Umgebung. Diese Beobachtungen liefern wichtige Hinweise auf den aktuellen Trainingsstand und mögliche Anpassungen im Trainingsplan.

Neben der Beobachtung des Hundes spielt auch die Selbstreflexion des Hundeführers eine wichtige Rolle. Regelmäßige Fragen wie „Was funktioniert bereits gut?“, „Wo treten Schwierigkeiten auf?“ oder „Muss der Trainingsplan angepasst werden?“ helfen dabei, das Training weiterzuentwickeln. Auch die eigene Körpersprache sowie das Timing bei der Belohnung können einen erheblichen Einfluss auf den Trainingserfolg haben.

Die Geruchsdifferenzierung bietet zahlreiche positive Effekte für Hund und Halter. Sie fördert die Konzentrationsfähigkeit des Hundes, unterstützt sein selbstständiges Arbeiten und sorgt für eine intensive mentale Auslastung. Gleichzeitig stärkt diese Form der Nasenarbeit die Zusammenarbeit zwischen Hund und Mensch, da beide eng als Team zusammenarbeiten müssen.


Formen der Anzeige

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie ein Hund einen Fund anzeigen kann: Bellen, Verharren, Sitzen oder Liegen, Verweisen oder Bringseln.

Beim Aufbau der Anzeige ist es wichtig, dass der Hund von Beginn an lernt, dass der Kadaver nicht berührt werden darf. Dies gilt bei allen Anzeigeformen. Um den Hund zu Beginn des Trainings direkt richtig auszubilden, bietet sich der Anzeigenaufbau am Korb an. Somit kann man mit offenen und auch größeren Stücken arbeiten, hat aber durch den Korb die Absicherung, dass der Hund nicht direkt mit dem Stück in Kontakt kommt. Dabei ist zu beachten, dass der Korb groß genug ist, dass das Stück nicht aus den Gittern herausragt, sodass der Hund nicht daran zupfen kann und dass dieser so gesichert ist, dass er nicht umkippt, wenn der Hund ihn berührt.


Kleinschrittiges Arbeiten ist essentiell

Bei den Anzeigeformen „Verbellen“, „Verharren“ und „Vorstehen“ wird zu Beginn ein ruhiges, zielgerichtetes (Hundefokus Richtung Kadaver) per Click bestätigt. Dabei ist es wichtig, dass der Hundeführer sehr nah beim Hund ist, damit dieser ihn zügig bestätigen kann. Das heißt es reicht aus, wenn der Hund ca. 5 bis 10 m vorm Korb gestartet wird. Dabei kann man den Startplatz immer wieder verändern, damit der Laufweg des Hundes immer ein anderer ist, um es für den Hund interessanter zu gestalten. Wenn dies zufriedenstellend funktioniert, verzögert man den Click weiter hinaus, sodass der Hund lernt, auch länger beim Stück zu bleiben und es nicht zu verlassen.

Dabei ist es wichtig, immer kleinschrittig zu arbeiten und hundeangepasst die Übung anspruchsvoller gestalten.

Beim „Verbeller“ kommt dann zusätzliche das Bellen dazu, hierzu muss aber grundsätzlich ebenfalls das Verharren am Stück erlernt werden.


Bringsel als Symbol für den Fund

Bei der Anzeigeform „Bringseln“ legt man das Reel (Plastikstück, das der Hund aufnimmt und zum Hundeführer bringt) ca. 5 bis 10 cm weit weg vom Korb, sodass der Hund beim Aufnehmen des Reels die Verknüpfung mit dem Kadaver erstellen kann.

Dies funktioniert nur, wenn der Hund zuvor bereits das Reel kennt und gelernt hat, dieses aufzunehmen und dem Hundeführer zu bringen. Dann erfolgt die Bestätigung beim Hundeführer.

Zu Beginn der Anzeige wird direkt nach der Übergabe des Reels in die Hand des Hundeführers bestätigt. Das Zurückführen des Hundeführers zum Korb ist eine gesonderte Übung und wird erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgebaut, wenn vorher alle Zwischenschritte einzeln erlernt wurden.

Hierbei bitte ebenfalls darauf achten, dass der Abstand vom Start des Hundes bis zum Korb, zu Beginn nicht mehr als 5 bis 10 Meter beträgt. Und auch hier kann man die Startrichtung variieren, um es für den Hund interessanter zu gestalten. Erst wenn der Hund dies einwandfrei ausführt kann der Abstand vom Start zum Korb vergrößert werden.

Der Unterschied zwischen den bereits genannten Anzeigeformen zum „Freiverweiser“ ist, dass bei dieser Anzeigeart die Anzeige nicht am Kadaver, sondern erst beim Hundeführer beginnt. Grundsätzlich muss der Hund aber auch hier nach Start zum Kadaver dort kurz verharren, um sich zu versichern, wo der Kadaver liegt und dann zum Hundeführer zurückkommen, um dort die ausgewählte Anzeige zu zeigen. Da beim „Freiverweiser“ die Anzeige individuell aussehen kann (z.B. Hund sitzt bei HF vor, oder dreht sich vor HF im Kreis, oder bellt HF an, oder nimmt Bringsel an HF auf usw.) ist es hier schwierig, einen genauen Aufbau zu schildern, da es zu viele unterschiedliche Möglichkeiten der Freiverweisanzeige gibt.

Grundsätzlich ist der Anzeigenaufbau am Korb dazu da, dem Hund eine richtige und saubere Anzeige von Beginn an beizubringen, ohne dass er sich selbst bestätigen kann, durch Fehlverhalten am Kadaver (z.B. abschlecken, reinbeißen usw.).


Ablauf eines Ausbildungstags

Ein typischer Trainingstag in der Ausbildung von Kadaverspürhunden beginnt früh am Morgen. Für den Ausbildungsleiter startet der Tag meist bereits gegen sechs Uhr. Bevor es zum Trainingsgelände geht, werden zunächst die eigenen Hunde versorgt. Dazu gehören die Fütterung, ein kurzer Gesundheitscheck sowie eine kurze Aktivierungseinheit. Ziel ist es, die Hunde mental wach zu machen, ohne sie dabei zu überfordern oder zu stark aufzudrehen.

Auch für die Teilnehmer beginnt der Trainingstag strukturiert. Zu Beginn findet meist eine kurze theoretische Einweisung statt. In dieser Besprechung werden die Trainingsziele des Tages festgelegt sowie wichtige Rahmenbedingungen wie Geländeart, Windverhältnisse und Sicherheitsmaßnahmen erläutert. Anschließend bereiten die Hundeführer ihre Hunde auf die praktische Arbeit vor. Dazu gehören eine kurze Aktivierung, das Überprüfen der Ausrüstung sowie Maßnahmen zur Förderung der Konzentration.


Von der Reihe im Raum ins Gelände

Ist die Geruchsdifferenzierung an der Reihe erfolgreich abgeschlossen, geht es ins Gelände.

Dort beginnt die praktische Arbeit mit der Vorbereitung der Übungsstationen. Dabei werden speziell gesicherte Trainingsmaterialien verwendet. Die Kadaverstücke stammen von gesundem Schwarzwild, das zuvor auf ansteckende Krankheiten getestet wurde. Je nach Ausbildungsstand der Hunde werden unterschiedliche Suchszenarien aufgebaut. Diese können im Wald, auf naturbelassenen Flächen oder sogar im Wasser stattfinden, um möglichst realitätsnahe Einsatzbedingungen zu simulieren.

Während des Trainings werden Proben oder Trainingsmaterialien mit dem Geruch von Schwarzwildkadavern im Gelände versteckt. Die Hunde suchen anschließend entweder frei oder nach einem vorgegebenen Suchmuster. Sobald der Hund Witterung aufnimmt und den Zielgeruch lokalisiert, zeigt er diesen durch ein zuvor aufgebautes Anzeigeverhalten an. Häufig geschieht dies durch Bringseln, Verbellen oder durch Hinsetzen an der entsprechenden Stelle.

Besonders anspruchsvoll ist dabei das saubere Anzeigen des Zielgeruchs auch auf größere Distanz. Dies erfordert viel Geduld, Erfahrung und konsequentes Training.


Viele kurze, intensive Trainingssequenzen

Eine Trainingseinheit dauert in der Regel zwischen 15 und 30 Minuten. Die einzelnen Suchsequenzen selbst sind meist deutlich kürzer, da sie für den Hund hochkonzentrierte Arbeit darstellen. Deshalb wird in kurzen, intensiven Abschnitten gearbeitet, zwischen denen ausreichend Pausen eingeplant werden. In der Ausbildung gilt dabei der Grundsatz, dass Qualität deutlich wichtiger ist als Quantität.

Während eines Trainingstages können verschiedene Herausforderungen auftreten. Dazu zählen wechselnde Wetterbedingungen, unterschiedliche Windrichtungen sowie Ablenkungen im Gelände.

Pro Tag werden in der Regel mehrere Hunde trainiert, wobei jeder Hund individuell betreut wird. Die Ausbildungsstände können stark variieren: Einige Hunde befinden sich noch am Anfang und lernen zunächst die Differenzierung verschiedener Gerüche, während andere bereits komplexe Suchszenarien trainieren und sich auf reale Einsätze vorbereiten.


Teamarbeit ist die Basis für den Erfolg

Eine zentrale Rolle im Training spielt die Zusammenarbeit zwischen Hund und Hundeführer. Kadaverspürhunde arbeiten nicht allein, sondern immer als Team mit ihrem Menschen. Vertrauen, klare Kommunikation und das genaue Beobachten der Körpersprache des Hundes sind entscheidend. Erfahrene Hundeführer lernen, selbst kleinste Veränderungen im Verhalten ihres Hundes wahrzunehmen, da diese wichtige Hinweise auf eine aufgenommene Spur geben können.

Am Ende eines Trainingstages findet in der Regel eine gemeinsame Nachbesprechung statt. Dabei werden die einzelnen Suchdurchgänge analysiert, Fortschritte besprochen und mögliche Verbesserungen im Trainingsablauf erarbeitet. Ziel ist es, aus jeder Trainingseinheit zu lernen und die Ausbildung kontinuierlich zu optimieren.

Für viele Beteiligte ist die Arbeit mit Kadaverspürhunden besonders faszinierend. Die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit der Hundenase und die hohe Motivation der Tiere während der Suche beeindrucken immer wieder. Gleichzeitig wissen die Hundeführer, dass ihre Arbeit einen wichtigen Beitrag bei der Tierseuchenbekämpfung leistet.


Geruchsdynamik und Sucharbeit in der Ausbildung von ASP-Kadaverspürhunden

Die Arbeit von Kadaverspürhunden in der ASP-Bekämpfung stellt hohe Anforderungen an Hund und Hundeführer. Unterschiedliche Geländeformen, wechselnde Witterungsbedingungen sowie komplexe Geruchsdynamiken beeinflussen maßgeblich das Suchverhalten der Hunde. Trainingsszenarien orientieren sich daher möglichst nah an realen Einsatzsituationen, um die Teams optimal auf die Praxis vorzubereiten.


Mit Systematik in die Duftwolke

Ein Beispiel dafür ist die Suche in einem Kiefernforst bei trockenen Bedingungen. Der Hund wurde im freien Revierteil angesetzt und zeigte bereits nach wenigen Minuten eine deutliche Veränderung seines Suchverhaltens. Durch Kopfheben, pendelnde Bewegungen und eine erhöhte Geschwindigkeit wechselte er in ein typisches „Air-Scenting“-Verhalten, bei dem Geruchspartikel aus der Luft aufgenommen werden. Interessant war dabei, dass der Hund nicht direkt gegen den Wind arbeitete, sondern zunächst quer zur Windrichtung lief. Auf diese Weise schnitt er die Geruchsfahne, um anschließend im Bogen gezielt in Richtung der Geruchsquelle einzulaufen.

Der Hundeführer markierte die erste wahrgenommene Witterung per GPS. Nach etwa 60 Metern setzte sich der Hund sauber in die trainierte Sitzanzeige. Gefunden wurde ein bereits stark verwester Frischling, der teilweise durch Sand bedeckt war. Solche Situationen sind in der Praxis häufig, da Kadaver im Gelände oft durch Laub, Sand oder Vegetation teilweise überdeckt werden. Der Geruch tritt in solchen Fällen nicht punktuell aus, sondern verteilt sich diffus im Umfeld. Besonders bei trockener Witterung zeigt sich dabei, wie wichtig eine frühe Witterungsaufnahme und ein sauberes Einarbeiten in die Geruchsquelle sind.


Vegetation beeinflusst Thermik

Ein weiteres Trainingsszenario fand in einem abgeernteten Maisbestand mit verbliebenen Stoppeln statt. In solchen Flächen ist der Geruch häufig stärker an den Boden gebunden. Die Suche begann zunächst in Leinenarbeit, bevor der Hund anschließend in eine freie Suche mit systematischem Sektorenaufbau wechselte. Eine besondere Herausforderung stellte die Thermik dar. Am Vormittag erwärmte sich der Boden rasch, wodurch warme Luft aus dem Bestand aufstieg und Geruchspartikel nach oben transportierte. Der Hund zeigte mehrfach kurzes Angehen der Witterung, verlor diese jedoch wieder. Der Hundeführer erkannte das veränderte Suchverhalten, stoppte den Hund und setzte ihn anschließend von einer anderen Seite gegen eine leichte Restbrise neu an. Durch diese Anpassung konnte der Hund die Geruchsfahne stabil aufnehmen und nach etwa fünfzehn Minuten einen sicheren Fund anzeigen.

In dichter Vegetation spielt die sogenannte Geruchsschichtung eine entscheidende Rolle. Thermische Luftbewegungen können Witterung vertikal verlagern und dadurch die Suche erschweren. Ein erfahrener Hundeführer erkennt anhand von Suchradius, Körpersprache und Unsicherheiten des Hundes, wann ein Neuansatz sinnvoll ist.


Mit voller Konzentration zu Mehrfachfunden

Auch die mentale Belastbarkeit der Hunde wird gezielt trainiert. In einem Trainingsdurchgang wurden beispielsweise zwei Proben in einem etwa fünf Hektar großen Gebiet ausgebracht. Nachdem der Hund die erste Probe schnell gefunden und bestätigt bekommen hatte, zeigte er zunächst den Impuls, das Suchgebiet zu verlassen. Der Hundeführer setzte ihn jedoch erneut an. Nach einer kurzen Pause nahm der Hund die Suche wieder aktiv auf und arbeitete die zweite Witterung selbstständig aus.

Solche Mehrfachfunde dienen dazu, Ausdauer und Konzentration zu fördern. Die Hunde lernen dabei, dass ein Fund nicht automatisch das Ende der Suche bedeutet. Ein sorgfältiges Belohnungsmanagement ist in solchen Situationen besonders wichtig.


Geruchliche Herausforderungen durch Zersetzungsprozesse

Die Ausbildung von ASP-Kadaverspürhunden ist mit zahlreichen fachlichen Herausforderungen verbunden. Dazu gehören vor allem die Geruchsdynamik in unterschiedlichen Zersetzungsstadien, der Einfluss von Wind, Thermik und Feuchtigkeit sowie Störgerüche aus der Umgebung, etwa durch Wildwechsel, Fäkalien oder landwirtschaftliche Emissionen. Hinzu kommen mögliche Veränderungen der Fundstelle durch Aasfresser, die Kadaver verlagern oder öffnen können.

Auch Fehler des Hundeführers, beispielsweise unbewusstes Lenken oder ein ungenaues Timing bei der Bestätigung, können den Trainingserfolg beeinflussen. Zudem stellt die körperliche Belastung bei großflächigen Suchen von über zehn Hektar eine zusätzliche Herausforderung dar.

Grundlage der Geruchsentstehung bei Kadavern sind mikrobielle Zersetzungsprozesse. Der Geruch entsteht also nicht unmittelbar durch den Tod eines Tieres, sondern durch die nachfolgenden biochemischen Abläufe. Nach dem Verenden beginnen zunächst Prozesse der Autolyse, bei denen körpereigene Enzyme Gewebe abbauen. Darauf folgt die Phase der Fäulnis, in der Mikroorganismen das Gewebe weiter zersetzen. Anschließend tritt eine fortgeschrittene Zersetzung ein, bevor schließlich die Phase der Skelettierung beziehungsweise Trocknung erreicht wird. In jeder dieser Phasen entstehen unterschiedliche flüchtige organische Verbindungen, sogenannte VOCs (Volatile Organic Compounds).

Für den Spürhund ist dabei nicht ein einzelner Stoff entscheidend, sondern das charakteristische Muster dieser Geruchsstoffe.


Umweltfaktoren beeinflussen die Gerüche

Die Ausbreitung dieser Gerüche wird stark von Umweltfaktoren beeinflusst. Wind verteilt Geruchspartikel häufig in Form einer Geruchsfahne, die sich in turbulenten Verwirbelungen über das Gelände ausbreiten kann. Hunde laufen deshalb oft nicht direkt zur Quelle, sondern schneiden zunächst die Geruchsfahne, um deren Verlauf zu bestimmen. Auch die Temperatur hat einen erheblichen Einfluss. Hohe Temperaturen erhöhen die Produktion flüchtiger Geruchsstoffe, während sich bei Temperaturen über etwa 25 Grad Celsius die Geruchsintensität deutlich verstärken kann. Bei Frost hingegen wird der Geruch gewissermaßen konserviert. Sobald Tauwetter einsetzt, kann es deshalb zu einer besonders starken Freisetzung von Geruchsstoffen kommen.

Die Bodenfeuchtigkeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Feuchte Böden können bestimmte Geruchsstoffe binden und gleichzeitig andere Komponenten verstärken. Dadurch wird die Verdunstung verlangsamt, was zu einer stabileren Geruchswahrnehmung führen kann. Trockene Sandböden hingegen begünstigen eine schnelle Diffusion der Geruchsstoffe. Die Geruchswahrnehmung verteilt sich dabei großflächiger und weniger punktuell.

Besonders komplex wird die Situation, wenn Kadaver teilweise überdeckt sind. Im Gelände kommt es häufig vor, dass Kadaver durch Laub, Sand oder Vegetation verdeckt werden oder von Aasfressern geöffnet werden. Wird der Bauchraum eines Kadavers geöffnet, können Schwefelverbindungen in größeren Mengen freigesetzt werden, was zu einer deutlich stärkeren Fernwitterung führt. Bleibt der Kadaver hingegen weitgehend geschlossen, diffundieren die Geruchsstoffe langsamer durch Haut und Gewebe, so dass sich eher punktuelle Geruchsquellen bilden.


Komplexe Geruchsmuster statt einfacher Verwesung

Die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Hunden beruhen darauf, dass sie nicht einzelne Moleküle wahrnehmen, sondern komplexe Geruchsmuster erkennen können. Ein gut ausgebildeter Kadaverspürhund ist in der Lage, unterschiedliche Zersetzungsstadien zu unterscheiden, selbst minimale Restmengen wahrzunehmen und auch ältere Geruchsspuren von frischen Funden zu differenzieren. Technische Sensorsysteme, sogenannte elektronische Nasen, erreichen derzeit bei weitem nicht die Flexibilität und Leistungsfähigkeit eines trainierten Spürhundes.

Ein häufiges Missverständnis besteht darin, dass Hunde einfach nach „Verwesungsgeruch“ suchen. Tatsächlich arbeiten sie mit einem spezifischen, im Training erlernten Geruchsmuster. Dieses setzt sich aus den Zersetzungsstoffen des Schwarzwilds, den entstehenden flüchtigen organischen Verbindungen und den jeweiligen Umweltbedingungen zusammen. Die Sucharbeit eines ASP-Kadaverspürhundes ist damit deutlich komplexer als die einfache Wahrnehmung eines unangenehmen Geruchs – sie basiert auf der präzisen Erkennung eines vielschichtigen chemischen und ökologischen Signals.


Warum sind Orientierung und Suchtaktik wichtig?

Bei der jagdlichen Stöberarbeit, sucht der Jagdhund nach lebendem Wild. Das gibt eine deutliche Witterung ab und ist durch den Fluchtreflex auch mobiler und leichter zu finden als Kadaver.

Bei der Kadaversuche geht es um das komplette Absuchen eines Gebietes nach toten Wildschweinen oder -teilen, oft auch nur Knochen. Dabei ist es essentiell, dass der Suchhund auch Witterung von dem Teil bekommt. Der Wind kann jedoch am Rand des Suchgebietes, an einer Böschung oder auf einer Anhöhe ganz anders sein als mitten im Suchgebiet.

Bei falscher Suchtaktik des Hundeführers kann es dann passieren, dass der Hund gar keine Chance hatte, Witterung zu bekommen und der Kadaver bleibt liegen.


Suchtaktik ist die Basis für den Erfolg

Der Hundeführer ist der Teil des Teams, der für die Suchtaktik verantwortlich ist. Er muss durch eine sinnvolle, dem Partner Hund und dem Gelände angepasste Strategie dafür sorgen, dass der Hund eine Chance hat, in die Witterung zu kommen.

Dafür muss der Hundeführer folgende Sachverhalte ständig im Blick behalten:

Geländebeschaffenheit, Windrichtung und -stärke, Thermik und Wetter.

Für eine gute Suchtaktik ist auch die Orientierung elementar wichtig, damit man auch weiß, wo im Gelände man sich gerade befindet.

Beide Aspekte werden in der ASP-Kadaversucheausbildung im TCRH den Teilnehmern vermittelt und werden in der Einsatzüberprüfung im Gelände auch praktisch überprüft.

Denn gute Orientierung und gute Suchtaktik verbessern das Ergebnis und sparen Energiereserven von Hund und Mensch.


Siehe auch

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