TCRH-Tierärztetag 2026

TCRH-Tierärztetag 2026

Internationales Interesse an den ASP-Einsätzen in Hessen und Baden-Württemberg

Ende Juli trafen sich 60 Tierärzte von Ministerien bzw. tierseuchenbekämpfenden Behörden im TCRH Training Center Retten und Helfen in Mosbach zum jährlich stattfindenden Tierärztetag. Dieses Jahr wurden neben ASP-Diagnostik und Biosicherheit auch Erfahrungen bei der Entnahme und der Einsatzorganisation vorgestellt.


Neben Vertretern der betroffenen Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg waren auch Tierärzte aus Schleswig-Holstein, dem Saarland und Bayern dabei. Wir haben uns besonders über das Interesse der tierseuchenbekämpfenden Behörden aus Frankreich und der Schweiz gefreut, die den weiten Weg nach Mosbach auf sich genommen haben.


Halbzeitphase der ASP

Projektleiter Jürgen Schart begrüßte die Ehrengäste und Teilnehmer und gab einen kurzen Überblick über das Projekt und die vielfältigen Aufgaben bei der Seuchenbekämpfung: „Wir befinden uns momentan in der Marathonphase der Bekämpfung und haben noch mindestens zwei Jahre vor uns, bis die Rückstufungsanträge genehmigt werden können.“


Staatssekretärin MdL Sara Schweizer betont gute Zusammenarbeit

Im Anschluss hielt Sarah Schweizer MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat (MLR), ein Grußwort. Sie freute sich über die große Resonanz der Veranstaltung bei Tierärzten aus dem In- und Ausland und überbrachte die Grüße der Ministerin Marion Gentges. Sie betonte die gute Zusammenarbeit aller an der ASP-Bekämpfung Beteiligten aus Hessen und Baden-Württemberg – seien es Ministerien, Veterinärbehörden, Untersuchungsämter, Forstämter, Jägerschaft, TCRH und Einsatzkräfte – die diese große Gemeinschaftsaufgabe seit über zwei Jahren mit großem Engagement gemeinsam meistern.

Das Ziel der ASP-Freiheit sei bereits in Sichtweite, daher muss ein besonderes Augenmerk auch weiterhin auf der drastischen Reduktion des Schwarzwildes in den betroffenen Zonen liegen. Auch hier ist die Zusammenarbeit von Jägerschaft, den Entnahmeteams des MLR und den Mitarbeitern von ForstBW essenziell für den Erfolg. 

Schweizer dankte zum Abschluss dem TCRH, das seit 2021 über 350 Mensch-Hund und Drohnenteams ausgebildet hat, von denen viele seit 2024 unermüdlich im Einsatz sind (über 24.000 Personeneinsatztage und über 1,4 Mio. Hektar abgesuchte Fläche). Das ASP-Kadaversucheprojekt ist damit bundesweit ein vorbildhaftes und beispielgebendes Best-Practice-Beispiel.


Landestierärztekammer dankt Veterinären und betont Wichtigkeit der Biosicherheit

Der Vizepräsident der Landestierärztekammer Baden-Württemberg (LTK), Tim Bogs, hielt ebenfalls ein Grußwort. Er dankte im Namen der LTK für dieses Fortbildungsangebot für Tierärzte und sprach den Veterinärämtern besonderen Dank für ihre Leistung bei der Seuchenbekämpfung aus. Deren Gelingen hängt auch von der Zusammenarbeit von Amtstierärzten und Praktikern ab, die u.a. bei ihren Kunden für die Akzeptanz der Biosicherheitsmaßnahmen werden können. Die LTK sieht sich hierbei als Bindeglied und bietet ihre Unterstützung als Multiplikator (z.B. über den Newsletter) an. Wichtig ist das Vertrauen der Betroffenen und der Organisationen, zu dem der heutige Tierärztetag beitragen kann.


Herausforderungen der ASP-Diagnostik

Dr. Sara-Lisa Lennermann vom CVUA Karlsruhe gab den Teilnehmern einen Überblick über die verschiedenen ASP-Monitoring Programme und das Vorgehen bei der ASP-Diagnostik im Labor. Seit dem ASP-Ausbruch im Sommer 2024 ist das Probenaufkommen in diesem Bereich extrem angestiegen und damit auch die Herausforderungen bei der Probenbearbeitung.

Anhand eindrücklicher Bilder zeigte sie den Weg der Probe vom Posteingang bis zur Analyse. Die Bearbeitung von Knochenfunden fordert von den Mitarbeitern körperlichen Einsatz gepaart mit umfangreicher Hygiene. Diese Hygiene ist auch teilweise beim Eingang von blutverschmierten oder übervollen Probenröhrchen eine Herausforderung. Ergänzend sind beim Entziffern der handschriftlichen Probenbegleitscheine viel Kreativität und Vorstellungsvermögen gefordert, damit die Befundübermittlung und die Abwicklung der Aufwandsentschädigung funktionieren.


Hygiene- und Biosicherheitskonzept im Zoo

Als nächster Referent stellte Dr. Tobias Knauf-Witzens, leitender Tierarzt der Wilhelma, die Maßnahmen zur Biosicherheit im Zoo vor. Er gab einen Überblick über die Artenvielfalt in der Wilhelma, die tierärztliche Bestandsbetreuung, bei der sehr viel Wert auf Prophylaxe gelegt wird und die unerlässliche Schädlingsbekämpfung. Naturnahe Gehege und Bodenstrukturen sind schön für Tiere und Besucher, in Punkto Hygiene und Desinfektion für das Team aber recht aufwändig. Die Futterküche der Wilhelma ist ein Vorzeigebeispiel für Hygiene und Futtervielfalt. Herausfordernd ist die Diagnostik bei Wildtieren, die Meister im Maskieren von Symptomen sind. Die Tierpfleger, die ihre Tiere in und auswendig kennen, sind dabei die wichtigsten Mitarbeiter bei der Bestandskontrolle und Therapie.

In der Wilhelma wurden bereits mehrere Dissertationen zu Infektionen bei Zootieren und Zoonosen betreut. Ein spezieller Tierseuchennotfallplan beinhaltet die Maßnahmen und Vorgehensweisen, die bei unterschiedlichen Risikostufen der Seuchenlage getroffen werden. Dazu gehört u.a. auch die Umstrukturierung von Schweinegehegen, um den direkten Kontakt zu Besuchern zu verhindern und damit das Eintragsrisiko für die Afrikanische Schweinepest zu verringern.

Knauf-Witzens betonte zum Abschluss die enge Kooperation mit internen und externen Spezialisten, den Behörden und auch der Öffentlichkeit.


Schwarzwildreduktion durch professionelle Entnahmeteams

Dr. Christof Janko, Wildbiologe beim MLR, berichtete danach von den Erfahrungen und Herausforderungen bei der Schwarzwildreduktion in den ASP-Restriktionszonen. Er stellte das dynamische Geschehen des ASP-Ausbruchs in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg seit 2024 und die aktuelle Seuchenlage vor, bei der die Ausbreitungstendenz weiterhin nach Süden und Osten geht. Um diese Ausbreitung zu stoppen, wurden sog. „Weiße Zonen“ bzw. Kompartimente eingerichtet, die wildschweindicht eingezäunt sind und einen Puffer zur gesunden Schwarzwildpopulation bilden sollen. Das Ziel, den Schwarzwildbestand in diesen Kompartimenten auf nahezu null zu senken, soll durch den Dreiklang Bejagung durch die Jägerschaft, Entnahme durch Dritte und Saufang erreicht werden. Dazu gibt es neben Aufwandsentschädigungen und Förderungen regelmäßige Beratungen und Fortbildungen für die Jägerschaft. Die Saufänge werden durch speziell geschultes Personal betrieben und sind ebenfalls ein effektives Instrument zur Reduktion.

Die Entnahme durch Dritte ist in §36 JWMG und in den Allgemeinverfügungen der Landkreise geregelt. Die Einsätze der Berufsjäger erfolgen in enger Absprache mit den Jagdausübungsberechtigten und haben eine effektive Schwarzwildentnahme in kurzer Zeit zum Ziel. Anhand eindrücklicher Bilder stellte Janko die Herausforderungen (unzugängliches oder siedlungsnahes Gelände) für die Entnahmeteams vor. Die Erfolgsaussichten und die Vorgehensweisen sind dabei von der Lebensraumstruktur Offenland vs. Wald) abhängig. Im Offenland war die Bejagung durch die Jägerschaft i.d.R. ausreichend, im Wald kamen ergänzend die Entnahmeteams zum Einsatz. Ob die Reduktion Erfolg hatte, wird durch Drohnenbefliegungen in den vegetationsarmen Wintermonaten kontrolliert. Anhand der Streckenmeldungen konnte dargelegt werden, dass der oben genannte Dreiklang in den letzten zwei Jahren erfolgreich war. Die nächsten Schritte sind die Fortführung der Bejagung, die Beprobung der erlegten Wildschweine, regelmäßige Kadaversuchen und Zaunkontrollen mit dem Ziel der Rückstufung der Sperrzonen.

Dr. Janko lobte abschließend die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten, denn ASP-Bekämpfung geht nur gemeinsam!


Einsatzorganisation und Suchplanung – Koordination oder Chaos?

Nach dem Mittagessen erklärte Marcel Schäfer den Teilnehmern die Abläufe in der ASP-Einsatzabschnittsleitung (EAL) im Seuchengebiet. Der Organisationsprofi vom TCRH stellte die Wege von der Planungsschalte bis zum Suchgebiet, von der Kapazität zur Tagesplanung und vom morgendlichen Briefing bis zur Schleusung am Ende des Suchtages vor. Bei der Suchgebietsplanung werden die Inputs der verschiedenen Fachleute unter Berücksichtigung des aktuellen Seuchengeschehens verarbeitet und auf individuelle Suchgebiete für die zur Verfügung stehenden Einsatzkräfte (Mensch-Hund und Drohne) aufgeteilt. Dabei wurde deutlich, wie viel Organisation, Detailplanung und Abstimmungen für die Vielzahl an Einsatzkräften und Suchgebieten tagtäglich erforderlich sind. Neben dem normalen Tagesgeschäft hat die EAL noch viele weitere Aufgaben. Dazu zählen Kadaverbergung, Abschleppen/Bergen der Fahrzeuge, Management der Schleusen, Fuhrparkmanagement, Koordination der (tier-)ärztlichen Versorgung und die Abstimmung mit Behörden und sicherheitsrelevanten Stellen zu Sonderaufgaben. Die EAL ist damit die zentrale Anlaufstelle für alle Arten von Fragen, auf die durch das engagierte Team 24/7 zuverlässig kreative Lösungen gefunden werden! 


Besichtigung der Hygieneschleuse und des Trümmergeländes

Im Anschluss daran hatten die Teilnehmer:innen auf dem TCRH-Gelände Gelegenheit, die zuvor theoretisch erklärte Hygieneschleuse in der Praxis mit Duschwagen für Menschen und Hunde sowie die Fahrzeugschleuse in Augenschein zu nehmen. Dabei wurden viele Fragen rund um die Organisation und den Ablauf der Einsätze besprochen, denn der Teufel steckt auch hier wie so oft im Detail.

Dr. Anne-Kathrin Sieg, die operative Leiterin den ASP-Krisenstabs in Hessen, berichtete den Teilnehmern dabei auch von ihren Erfahrungen und Herausforderungen rund um den Zaunbau mit Toren und Viehgittern.

Jürgen Schart stellte zum Abschluss den Teilnehmern die weiteren Trainingsmöglichkeiten auf dem TCRH-Gelände vor und auf dem Trümmergelände konnten verschiedene Hunde bei der Einarbeitung auf die Suche nach Verschütteten beobachtet werden.


Wichtige Erkenntnisse für die Praxis der Seuchenbekämpfung

Bei der Abschlussbesprechung äußerten sich die Teilnehmer sehr positiv über die Veranstaltung und nahmen viele neue Erkenntnisse und Anregungen mit nach Hause. Der nächste Tierärztetag findet am 25. Juni 2027 wieder im TCRH statt. Am 5. Februar 2027 treffen sich in Dortmund die Verantwortlichen für die ASP-Kadaversuche aus ganz Deutschland.


Weitere Informationen:

Schreibe einen Kommentar