Aktueller Stand der ASP-Bekämpfung in Deutschland

Aktueller Stand der ASP-Bekämpfung in Deutschland

Aktueller Stand der ASP-Bekämpfung in Deutschland

Informativer Erfahrungsaustausch der Verantwortlichen für die ASP-Kadaversuche in Dortmund

Auf Einladung von TCRH (Training Center Retten und Helfen GmbH) und DJV (Deutscher Jagdverband e. V.) trafen sich Ende Januar im Rahmen der Messe JAGD & HUND 30 ASP-Experten aus Deutschland und Österreich zum mittlerweile dritten Erfahrungsaustausch rund um die ASP-Bekämpfung.

Nach der Begrüßung durch den Projektleiter und BRH-Präsidenten Jürgen Schart folgte eine Vorstellungsrunde der Teilnehmenden. Neben Vertretern von Ministerien und Veterinärbehörden nahmen auch Vertreter von Landesjagdverbänden sowie Hundeführer teil.


Zu Beginn gab Projektkoordinatorin Dr. Christina Jehle einen Überblick über die aktuelle ASP-Situation und stellte das ASP-Ausbildungsprogramm des TCRH vor. In dieser Kooperation von BRH (Bundesverband Rettungshunde e. V.) und JGHV (Jagdgebrauchshundverband e. V.) werden im Auftrag des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Mensch-Hund-Teams sowie Drohnenpiloten für die ASP-Kadaversuche ausgebildet. Seit dem Projektstart im Jahr 2021 wurden über 300 Hundeteams und über 70 Drohnenpiloten ausgebildet. Die Drohnenpiloten sind nicht nur bei der Suche nach Kadavern, sondern auch beim Monitoring der (noch) lebenden Wildschweine in den Sperrzonen von großer Bedeutung. Ergänzend dazu stellt das TCRH den Behörden im Seuchenfall eine Organisations- und Führungsstruktur sowie eine Fachberatung zur Verfügung, die alle Bereiche der Kadaversuche, wie beispielsweise Suchgebietsplanung, Auswertung der Suchen und Administration der Einsatzkräfte, abdeckt.


Nordrhein-Westfalen – Suchen, Zäunen, Räumen!

Dr. Jürgen Harlizius, Leiter des Referats Tierseuchenbekämpfung und -prävention im Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, stellte die Chronologie des ASP-Ausbruchs im Juni 2025 im Kreis Olpe (Sauerland) vor. Dieser zeichnet sich durch eine dichte Bewaldung und glücklicherweise sehr wenige Hausschweinebetriebe aus. Die gute Organisation der Jägerschaft und des Kreises erleichtert die Arbeit der Wildtierseuchen-Vorsorge Gesellschaft mbH, die in NRW mit der ASP-Bekämpfung betraut ist. Anhand eindrücklicher Bilder präsentierte Harlizius die Einsatzzentrale sowie das Vorgehen bei der Kadaversuche und -bergung inklusive Hygieneschleuse. Die Zaunbaumaßnahmen verlaufen in dem Gebiet recht gut und die Kooperationsbereitschaft der Bevölkerung ist hoch. Bis Ende Januar 2026 wurden 186 km Festzaun (davon 65 km elektrifiziert) errichtet. Bei der Kadaversuche stellten die Topographie und die Schneesituation der letzten Wochen die Such- und Bergeteams laufend vor neue Herausforderungen.

Bis Ende Januar wurden 313 positive Fälle gemeldet, die alle im Kerngebiet gefunden wurden. Ergänzend dazu erfolgt eine intensive Bejagung der Wildschweine, wobei jedes erlegte Wildschwein auf ASP untersucht wird.

Abschließend sprach Harlizius auch die Verschleppungsgefahr durch Prädatoren an, die Kadaverteile über die Zäune hinweg tragen.


Hessen – Zäunen, Zäunen, Zäunen

Als nächster Referent berichtete Dr. Gabriel Greif, stellvertretender operativer Leiter des Führungsstabs Afrikanische Schweinepest im hessischen Landwirtschafts- und Umweltministerium, über die aktuelle Lage in Hessen. Seit dem Ausbruch im Juni 2024 wurden über 6.560 Kadaver untersucht, von denen 2.307 ASP-positiv waren.

Ein wichtiger Bestandteil der Bekämpfung ist die gute Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Behörden des Landes und der Kreise. Greif sprach den Jagdausübungsberechtigten besonderen Dank aus, denn diese tragen durch ihre Unterstützung einen großen Anteil am Erfolg der Bekämpfungsmaßnahmen.

In Hessen setzt man nach wie vor auf Zaunbau. Mittlerweile wurden um weite Teile des Seuchengebietes herum sogenannte „Weiße Zonen“ eingerichtet: doppelt gezäunte Bereiche mit einer Breite von 5 bis 10 km, die als Schutzpuffer zur gesunden Wildschweinpopulation dienen sollen. Um den Wildschweinbestand in diesen Zonen deutlich zu reduzieren, kommen neben den Jagdausübungsberechtigten auch professionelle Entnahmeteams und Saufänge zum Einsatz. Beim Bau der Zäune bereiten allerdings immer wieder Kampfmittelfunde aus dem Zweiten Weltkrieg und mancherorts Vandalismus an Zäunen Probleme. Auch das wildschweindichte Absperren von Gewässern verlangt den Verantwortlichen kreative Lösungen ab.

In Hessen gibt es aktuell zwei Kerngebiete. Nordhessen ist zudem von einer Sperrzone betroffen, die von Nordrhein-Westfalen ausgeht. Sofern das Seuchengeschehen getilgt ist und die entsprechenden fachlichen sowie rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, besteht die Möglichkeit, nach u. a. mindestens zwölf Monaten ohne positive Fälle und einer sehr geringen Schwarzwilddichte einen Rückstufungsantrag bei der EU zu stellen. In Südhessen soll ein entsprechendes Verfahren in Kürze erstmals angestoßen werden.

Greif nannte die Kadaversuche mit Hund und Drohne als weiteren essenziellen Bestandteil der Seuchenbekämpfung und lobte die große Einsatzbereitschaft und Ausdauer aller Beteiligten.


Baden-Württemberg – Bejagungsstrategien als Schlüssel zum Erfolg

Dr. Bärbl Baeuerle vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz berichtete über das Vorgehen in Baden-Württemberg. Bereits seit 2018 gibt es dort einen Zwölf-Punkte-Maßnahmenplan, der die Behörden, die Landwirtschaft und die Jägerschaft auf einen ASP-Ausbruch vorbereiten und sie bei der Prävention und Bekämpfung unterstützen soll. Dazu gehören unter anderem ein verstärktes Monitoring bei Haus- und Wildschweinen, die Erstellung von Notfallplänen, die Einrichtung von Verwahrstellen, Bejagungserleichterungen für Schwarzwild (zum Beispiel Nachtzieltechnik), eine Vermarktungskonzeption, eine verstärkte Bejagung, ein Saufangprojekt und die Einrichtung eines ASP-Krisenstabs.

Aufgrund der Nähe des Seuchengeschehens in Hessen war dieser gut auf den ersten ASP-Fall in Baden-Württemberg im August 2024 vorbereitet. Das Vorgehen im Seuchenfall ist mit dem der anderen Bundesländer vergleichbar. Vor allem mit Hessen gibt es eine enge Abstimmung der aktuellen Maßnahmen.

Die vergleichsweise geringe Anzahl von 27 ASP-positiven Wildschweinen seit August 2024 zeigt, dass das Zusammenspiel der Maßnahmen Kadaversuche, Zaunbau und Schwarzwildreduktion funktioniert. Dennoch ist weiterhin Vorsicht geboten, da sich die Seuche deutlich nach Osten und Süden ausbreitet.

Das Ziel besteht darin, die Ausbreitung durch Zäune und Schwarzwildreduktion zu stoppen und somit die Odenwaldregion zu schützen.

Regelungen im JWMG (Jagd- und Wildtiermanagementgesetz) ermöglichen den Einsatz eines professionellen Entnahmeteams in Revieren, in welchen der Bestand an Wildschweinen durch die Jägerschaft noch nicht auf die für eine effektive Tierseuchenbekämpfung erforderliche Zahl reduziert wurde. Dies kann bei Bedarf auch ohne das Einverständnis des Jagdausübungsberechtigten in dessen Revier erfolgen, was allerdings erst in einem Revier der Fall war. Ansonsten funktioniert die Reduktion durch die Jägerschaft, die Entnahmeteams und den erfolgreichen Einsatz von Saufängen bisher zufriedenstellend.

Aus den Reihen der teilnehmenden Jäger wurden im Anschluss Fragen zur Waidgerechtigkeit von Erlegungen ganzer Rotten durch Entnahmeteams oder in Saufängen gestellt. Die Referenten machten deutlich, dass es sich bei der ASP-Bekämpfung im Wildschweinbestand nicht um Jagd, sondern um Tierseuchenbekämpfung handelt. Dabei müssten – selbstverständlich unter Einhaltung des Tierschutzes – andere Maßstäbe angewandt werden als bei der klassischen „waidgerechten” Jagdausübung. Im Falle eines ASP-Ausbruchs in einem Hausschweinebestand werden schließlich auch alle Tiere des Stalls getötet – egal, ob sie krank oder gesund, jung oder alt sind.


Brandenburg – auf dem Weg zur Seuchenfreiheit

Die ursprünglich vorgesehene Referentin aus Sachsen konnte leider aufgrund von Zugausfällen nicht an dem Treffen teilnehmen. Dafür berichtete Diana Holland vom brandenburgischen Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit über den Weg zum Status „ASP-frei“.

Im Tierseuchenbekämpfungshandbuch (TSBH), dass der EU-Kommission vorgelegt werden muss, werden Zahlen, Daten und Fakten zum ASP-Geschehen eingetragen, um den Erfolg der Maßnahmen zu dokumentieren. Sie erklärte sich auch bereit, anderen Bundesländern Fragen zum Thema Rückstufung zu beantworten. In über fünf Jahren ASP-Bekämpfung haben sie und die anderen Beteiligten die Erfahrung gemacht, dass die ASP-Bekämpfung immer wieder Überraschungen mit sich bringt und eine gute Vorbereitung sowie Ausbildung von Kadaversuchteams unerlässlich ist.


Ausblick

Zum Abschluss des Treffens dankte Dr. Jehle allen Anwesenden für ihre Teilnahme und die Diskussion.

Konsens unter allen Anwesenden war, dass eine Reduktion des Schwarzwildbestandes und die Ausbildung von Kadaversuchteams bereits vor dem ASP-Ausbruch essentielle Bestandteile der Vorbereitung auf die Seuche sind, von der niemand vorhersagen kann, wann und wo sie als Nächstes ausbrechen wird.

Im Seuchenfall sind die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, das schnelle Reagieren auf Lageänderungen, die Kadaversuche mit Hund und Drohne sowie der Zaunbau unverzichtbar.

Das nächste bundesweite Treffen findet voraussichtlich am 5. oder 6. Februar 2027 im Rahmen der JAGD & HUND statt. Am 24. Juli 2026 lädt das TCRH-Vertreter tierseuchenbekämpfender Behörden zum Tierärztetag ins TCRH Mosbach ein.


Weitere Informationen

  • https://asp.tcrh.de
  • https://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unsere-themen/tierschutz-tiergesundheit/tiergesundheit/tierkrankheiten-tierseuchen-zoonosen/afrikanische-schweinepest/
  • https://schweinepest.hessen.de
  • https://www.lave.nrw.de/themen/tiere/tiergesundheit/tierseuchen/aktuelle-lage-der-afrikanischen-schweinepest
  • https://mleuv.brandenburg.de/mleuv/de/umwelt/jagd/afrikanische-schweinepest/

Kontakt

Dr. Christina Jehle
ASP Projektkoordination
TCRH Training Center Retten und Helfen GmbH
Luttenbachtalstraße 30, 74821 Mosbach
Tel. +49.6261.3700707
E-Mail c.jehle@tcrh.de

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